Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass Heavens Gate, der Auftakt zu Daniel Faßbenders Krimireihe im Diogenes-Verlag, sich allzu bereitwillig gängiger Genreklischees bedient. Doch wer genauer hinschaut, erkennt, dass er meisterhaft mit ihnen spielt: Da ist archaische Männlichkeit und auf Attraktivität reduzierte Weiblichkeit, doch da ist auch ein scharfsinniger, oft impliziter Witz, der beides in seiner Tragikomik wahrnimmt und auf die Spitze treibt. Dabei gelingt Faßbender ein bemerkenswerter Balanceakt: Er entlarvt, ohne zu denunzieren, und überspitzt, ohne seine Figuren der Lächerlichkeit preiszugeben, begegnet ihnen stattdessen stets mit Ernsthaftigkeit. Auch inhaltlich verstecken sich mehrere Schichten im Roman: Was sich gefühlt wie ein unterhaltsamer und humorvoller Krimi vor Urlaubskulisse mit Surferleben liest, steckt voller gesellschaftlicher und politischer Themen (Korruption, Drogenökonomie, Aktivismus, Auswirkungen von Tourismus für lokale Gemeinschaften), die sich entdecken lassen, aber nie aufdrängen. Faßbender ist ein unterhaltsamer und zugänglicher Krimi gelungen, aus dem jede:r so viel Tiefe mitnehmen kann, wie er/sie möchte.