Ich mag die "Flüsse von London"-Welt sehr gerne und war neugierig, ob es auch mit einem neuen Hauptcharakter in einer ganz anderen Umgebung so viel Spaß macht. Dass dann keine der üblichen Großstädte, sondern Trier, als Mittelpunkt der Handlung gewählt wird war für mich schon mal ein Pluspunkt. Blieb für mich noch die große Frage, ob es einfach die gleiche Story in einem neuen Umfeld ist und ob die nur knapp 200 Seiten ausreichend sind, um eine spannende Story zu erzählen.Bei den Charakteren wären gute Ansätze zwar vorhanden, nur ist das Buch schon wieder zu Ende, kaum, dass man sie etwas besser kennengelernt hat. Man merkt stark, dass der Platz für eine Charakterentwicklung fehlt. Einige Parallelen zwischen Peter Grant und Toby Winter empfand ich als sehr deutlich, genau wie Peter stolpert Toby eher zufällig in die Welt der Magie und ist ebenfalls der einzige Lehrling seines Vorgesetzten. Ich hätte da einen komplett anderen Werdegang besser gefunden - gerade auch, weil man das Buch doch ganz automatisch mit der in London angesiedelten Geschichte vergleichen wird.Die Story ist eher durchwachsen. Die eingebauten Plottwists wirkten auf mich schnell sehr chaotisch, das Zusammenführen der Handlungsstränge muss auf wenigen Seiten passieren, die Story hat einfach insgesamt zu wenig Platz sich zu entfalten.Positiv ist der gewohnt flüssige Schreibstil von Ben Aaronovitch und der spöttische Humor der immer wieder durchblitzt (auch wenn es insgesamt ernster zugeht als in London). Sehr clever gelöst fand ich , dass einige Vorkommnisse mit Geschehnissen aus der deutschen Vergangenheit erklärt werden, ich mag es wenn reale Geschehnisse mit Fantasy-Storys verwoben werden. FazitDen Handlungsort von England nach Deutschland zu verlegen funktioniert leider nur teilweise. Es gibt ein paar witzige Anspielungen auf das "Original", aber insgesamt blieb für mich immer der Beigeschmack, hier eher einen Abklatsch als ein wirklich durchdachtes Spin-off zu lesen. Ort und Namen sind anders, aber zu vieles bleibt einfach gleich - ich hätte mir mehr Kreativität gewünscht. Lieber ein besser ausgearbeiteter und längerer Roman, als die halbgare Kurzgeschichte. Ein wenig bekommt man das Gefühl, dass hier einfach nur die Kuh gemolken wird.