Es geht weiter mit dem nächsten Abenteuer und dieses Mal ist es ein Spionage Thriller, in dem sich viel um den 2. Weltkrieg dreht. Das Buch erschien ja 1941 und spielt ein Jahr zuvor. Tommy und Tuppence sind mittlerweile in den 40ern und haben zwei erwachsene Kinder, Zwillinge, die schon außer Haus sind und ihre eigenen Wege gehen.Da Tommy schon seit Jahren aus dem "Geschäft" ist, sieht der Geheimdienst seine Rolle, einen Maulwurf aufzuspüren, als perfekt an. Denn niemand kennt ihn mehr und bringt ihn damit in Verbindung. Der einzige Hinweis ist der Codename M oder N - die für einen Mann oder eine Frau stehen, die für Deutschland spionieren sollen.Die Themen Krieg, Flüchtlinge und Vorurteile sind sehr präsent - und man merkt, wie sich immer alles wiederholt und die Menschen einfach nicht daraus lernen. Interessant fand ich auch, wie Agatha Christie diese Zeit widerspiegelt; gerade weil sie ja eine direkte Zeitzeugin ist und die Engländer schwer über "die Deutschen" herziehen. Hier zeigt sie aber auch durch Tuppence, dass man sehr wohl unterscheiden muss zwischen den Kriegstreibern und den anderen, den Menschen die leiden und die durch die Umstände ein hartes Schicksal haben, ohne etwas dafür zu können.Sehr berührend ist auch die Erwähnung der britischen Krankenschwester Edith Cavell, die 1915 hingerichtet wurde - und kurz vor ihrem Tod gesagt haben soll "Patriotismus reicht nicht aus. Ich darf keinen Hass im Herzen tragen." (Zitat von Seite 104)Etwas abgewandelt, lt. google heißt es: Patriotismus ist nicht genug. Ich darf niemandem gegenüber Hass oder Bitterkeit empfinden.Eine berührende Botschaft, denn dieser Hass auf die Menschen bzw. das Land im allgemeinen ist einfach sinnlos und unfair - und Hass alleine ist sowieso ein sehr schlechter Ratgeber. Man spürt jedenfalls sehr, wie die Ereignisse damals die Autorin beschäftigt haben.Schön war auch, dass Tommy mit seiner Frau gleichzieht, was ihre Lust auf Abenteuer und ja, auch Gefahr betrifft. Obwohl die Aufgabe definitiv als gefährlich eingestuft wird, lässt er Tuppence ihren freien Raum, um mitzumischen, was für damalige Verhältnisse sicher etwas neues war.Der Fall selbst gestaltet sich als schwierig. Die zu überwachenden Personen wirken - unter den Umständen - relativ normal, auch wenn sie alle ihre seltsamen Eigenheiten haben. Manche halten sich eher bedeckt, andere wiederum vertreten lautstark ihre Meinung was den Krieg betrifft und unser ermittelndes Ehepaar hat es schwer, herauszufinden, was davon geschauspielert oder echt ist.Mit dem Thema Krieg und Spionage hab ich es eigentlich nicht so, aber insgesamt war es wirklich spannend - und auch unterhaltsam aufgebaut mit einigen falschen Fährten und unerwarteten Wendungen. Ein bisschen Humor ist ebenfalls mitgeschwungen, so dass das Leitmotiv nicht ganz so niederdrückend war.Der Stil ist wie immer bei Agathe Christie dem Zeitgeist von damals entsprechend, so dass man sich direkt dorthin zurückversetzt fühlt.