Um dem Meer noch näher zu sein, zog Lisa Liebich von Rostock nach Graal-Müritz. Viele Jahre arbeitete sie als Polizistin, jetzt plant sie beruflich eine neue Herausforderung anzunehmen. Die Nachricht, dass ihre Jugendfreundin Sarah tot in der Rostocker Heide aufgefunden wurde, wirbelt ihre Pläne heftig durcheinander. Die Polizistin will sich unbedingt an der Suche nach dem Täter beteiligen. Eine Soko wird gegründet, die den Namen der Blume trägt, die eines der Markenzeichen des Täters zu sein scheint.
Marion Petznick, geboren 1956, studierte Pädagogik und Kulturwissenschaften, später leitete sie die Pressestelle der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin. Schreiben war früh ein Hobby, das sie durch ein Fernstudium in Hamburg mit dem Abschluss der Großen Schule des Schreibens intensivierte. Inzwischen hat sie verschiedene Bücher in den Genres Sachbuch, Kinderbuch und regionalen Krimi veröffentlicht.
Der erste Eindruck ist blutig, wenn ich das Cover sehe, sehr cool. Und auch der Inhalt des Buches ist weit mehr als bloße Unterhaltung. Es geht um Werte oder besser Nicht Werte wie Gier, Abhängigkeit, Gewalt, Rücksichtslosigkeit.
Aber auf der anderen Seite stehen Gerechtigkeit, Sühne, Liebe, Teamspirit. Und diese Balance macht den Inhalt eines Buches wertvoll.
Wir scheinen in einer heilen Welt zu leben, als Lisa an ihren Arbeitsplatz in Rostock zurückkehrt. Sie hat ihren neuen Partner in Berlin, er hat dort seine Arbeitsverpflichtung, und es schwingt die Sorge mit, wie sie es schaffen werden, eine Fernbeziehung zu gestalten. Das ist eine schöne Nebenhandlung, die uns zeigt, dass wir nicht nur Beruf und auch Berufung in uns haben.
Lisa wohnt in Graal Müritz, super Idee der Autorin, ist es doch ein Ort, den vermutlich viele LeserInnen kennen. Und dieser Ort bleibt vom Verbrechen auch unangetastet.
Aber in der Dienststelle in Rostock sieht das anders aus. Es gibt eine Reihe von Todesfällen. Man hat den Eindruck, sie kommen immer wieder zu spät, aber genau das zeigt den Alltag. Eine polizeiliche Ermittlung, die hier abläuft, ist Kleinstarbeit, das Zusammentragen von winzigen Puzzleteilchen. Es gibt keine Wunder, sondern immer wieder neue Erkenntnisse, Irrwege, Enttäuschungen trotz aller Professionalität. Es ist die Aufgabe der Polizei, Täter zu fassen, Verbrechen aufzuklären, Lisa mittendrin. Sie merkt sehr schnell, dass es im begrenzten Umfang möglich ist, denn organisiertes Verbrechen ist so verzweigt, dass selbst bei größter Sorgfalt am Ende Fragen bleiben.
Marion Petznick hat ein gutes Buch geschrieben, vielleicht hier und da mit kleinen Ecken und Kanten, aber das stört nicht das Gesamtbild. Für mich war es ein pageturner und vor allem auch gute Unterhaltung mit Haltung