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Bis in alle Endlichkeit

Thriller | Nach 'Fünf Winter' das neue Buch des Deutschen-Krimipreis-Trägers

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Buch (gebunden)
20,00 €inkl. Mwst.
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»Was wie ein düsterer und rasanter Detektivroman beginnt, entwickelt sich zu etwas weitaus Unheimlicherem und Fesselnderem. « Peter Swanson

Als eine junge Frau tot aufgefunden wird, in einem feinen Cocktailkleid, auf dem Dach eines Rolls-Royce liegend, im gefährlichsten Viertel von San Francisco, gehen Polizei und Gerichtsmedizin von Selbstmord aus. Doch die Mutter der Toten, die megareiche Olivia Gravesend, glaubt ihnen kein Wort und beauftragt Privatdetektiv Lee Crowe mit den Ermittlungen. Bei seinen Recherchen kommt er einer Verschwörung auf die Spur, bei der die Beteiligten vor nichts zurückschrecken . . .

Produktdetails

Erscheinungsdatum
09. September 2024
Sprache
deutsch
Auflage
Deutsche Erstausgabe
Seitenanzahl
430
Autor/Autorin
James Kestrel
Herausgegeben von
Thomas Wörtche
Übersetzung
Stefan Lux
Verlag/Hersteller
Originaltitel
Originalsprache
englisch
Produktart
gebunden
Gewicht
554 g
Größe (L/B/H)
212/135/36 mm
ISBN
9783518474358

Portrait

James Kestrel

James Kestrel ist ein Pseudonym von Jonathan Moore, Anwalt und Romancier. Bevor er sein Jurastudium in New Orleans abschloss, war er Englischlehrer, Wildwasser-Rafting-Führer auf dem Rio Grande, Besitzer von Taiwans erstem mexikanischen Restaurant, Betreuer in einem texanischen Wildniscamp für jugendliche Straftäter und Ermittler für einen Strafverteidiger in Washington, D. C. Er lebt mit seiner Familie auf Hawaii. Seine Bücher wurden in zwölf Sprachen übersetzt. Für

Fünf Winter

wurde er mit dem Edgar Award 2022 für den besten Roman des Jahres ausgezeichnet. Im Suhrkamp Verlag erschien zuletzt

Poison Artist

(2022), das im August 2022 auf der Krimibestenliste von Deutschlandfunk Kultur stand.

Thomas Wörtche, geboren 1954. Kritiker, Publizist, Literaturwissenschaftler. Beschäftigt sich für Print, Online und Radio mit Büchern, Bildern und Musik, schwerpunktmäßig mit internationaler crime fiction in allen medialen Formen, und mit Literatur aus Lateinamerika, Asien, Afrika und Australien/Ozeanien. Herausgeber der »global crime«-Reihe metro in Kooperation mit dem Unionsverlag (1999 2007), der Reihe »Penser Pulp« bei Diaphanes (2013-2014). Gründete 2013 zusammen mit Zoë Beck und Jan Karsten den (E-Book-)Verlag CulturBooks und gibt ein eigenes Krimi-Programm für Suhrkamp heraus. Co-Herausgeber des Online-Feuilletons CULTurMAG.


Stefan Lux übersetzt aus dem Englischen und hat u. a. James Kestrel, Jonathan Moore, Marie Rutkoski, Loraine Peck und Nick Kolakowski ins Deutsche übertragen. Er lebt in Bonn.

Pressestimmen

»Ein Noir für das 21. Jahrhundert. « Mystery Scene

»Eine Psychothriller- und Horrorgeschichte, die am Rande der Realität balanciert. « New York Journal of Books

»Wenn Chandler heute leben würde, würde er wie Kestrel schreiben. Ja, so gut ist dieser Kerl. « Joe Hartlaub, Book Reporter

»Die literarischen Vorbilder von James Kestrel sind klar erkennbar, dennoch entsteht Einzigartiges. « Peter Huber, Die Presse, Wien

»Genial ein guter, alter Thriller! « kultbote. de

Besprechung vom 02.09.2024

Eingriffe in die Evolution muss man sich leisten können
California Dreamin': James Kestrels "Bis in alle Endlichkeit" führt in die Szene der Lebensverlängerer

Der amerikanische Anwalt und Schriftsteller Jonathan Moore hat das Pseudonym James Kestrel bislang nur für einen Roman verwendet - "Five Decembers", der letztes Jahr auf Deutsch unter dem Titel "Fünf Winter" (F.A.Z. vom 3. April 2023) erschien. Der Suhrkamp Verlag bleibt auch bei der nächsten Veröffentlichung beim Pseudonym, obwohl der 2019 im Original erschienene Roman "Blood Relations" unter Moores Klarnamen herauskam. Das hängt vermutlich mit dem Erfolg von "Fünf Winter" zusammen, an den "Bis in alle Endlichkeit" nun anknüpfen soll. Während "Fünf Winter" im Ostasien der Weltkriegsjahre angesiedelt war, spielt "Bis in alle Endlichkeit" im San Francisco der Gegenwart.

Dort ermittelt Leland "Lee" Crowe als Privatdetektiv, weil er nicht mehr Anwalt sein darf. Er hat einige Jahre vor Beginn der Handlung einen hohen kalifornischen Richter krankenhausreif geprügelt, weil er sich nicht damit abfinden konnte, dass der Typ der Liebhaber seiner nunmehr ehemaligen Frau war, die aus reichem Haus kommt. Eine Welt, die Crowe nicht so gern hat, was nicht heißt, er hege für Juliette keine Gefühle mehr. Wenn vorderhand auch alles, was ihm von ihr geblieben ist, ein Sehnen und ein Sportwagen sind.

Seit dem Verlust seiner Zulassung arbeitet er nicht mehr als Anwalt für Jim Gardner, sondern als Ermittler. Gardner ist so erfolgreich wie skrupellos, so brillant wie halbseiden. Gerade hat Crowe in einer schäbigen Absteige wochenlang das Mitglied eines Drogenkartells überwacht und manipuliert, nun stolpert Crowe in der frühen Morgenstunden über eine Leiche, deren Todesart an ein ikonisches Foto von Robert Wiles aus dem Jahr 1947 erinnert: Damals sprang eine junge Frau vom Empire State Building, landete auf dem Dach eines geparkten Autos, lag dort hingegossen wie friedlich schlafend, ohne Blutspuren und Entstellungen. Genau in dieser Position findet Crowe im Tenderloin, dem gefährlichsten Viertel der Stadt, auf dem Dach eines Rolls Royce eine tote junge Frau im Cocktailkleid, von der er noch nicht ahnt, dass sie sein Leben umkrempeln wird. Weder das Auto noch die Tote und ihre Todesart passen zur Umgebung.

Und doch: "Im Rückblick hätte es mich nicht überraschen dürfen, dass die Begegnung nicht das Ende war. Sobald man einen Menschen wie Claire Gravesend auch nur streift, bleiben Spuren zurück. Entweder setzt man die Dinge selbst in Bewegung, oder sie entwickeln ihr Eigenleben. Und wenn sie erst ins Rollen kommen, sind sie nicht mehr aufzuhalten. Ein ewiger Kreislauf, der sich stetig erneuert." Damit ist andeutungsweise das Thema des Romans umschrieben.

Crowe kann nicht widerstehen und macht ein Foto von der Toten, das er an die Boulevardpresse verkauft, ohne zu wissen, wen er abgelichtet hat. Bald tut sich noch eine Gelegenheit auf, mit ihr Geld zu verdienen. Jim Gardner empfiehlt ihn Claires Mutter Olivia Gravesend, einer einflussreichen Milliardärin, die nicht an die These der Polizei glaubt, es handele sich um einen Selbstmord.

Da bei der Autopsie von Claires Leichnam paarweise, kreisrunde Narben entlang der Wirbelsäule entdeckt werden, versucht Crowe herauszufinden, was es mit diesen auf sich hat. Er fliegt nach Boston, wo Claire studierte und ein Haus in Toplage besaß. Er spricht mit ihrer Hochschullehrerin, erfährt dass sich die Studentin für Stammzellforschung interessierte. Mit Erlaubnis der Mutter inspiziert er Claires Haus und wird dabei von einem Mann angegriffen. Der Angreifer überlebt den Zweikampf nicht. Dann stößt Crowe auf eine schlafende Frau - die exakt so aussieht wie Claire Gravesend. So viel darf verraten werden, denn der Klappentext tut es auch.

Kestrel startet lässig, so als würde ihm Raymond Chandler über die Schulter schauen und diese aufmunternd tätscheln. Der Ton stimmt, das Tempo, der Balanceakt zwischen Crowes mit illegalen Mitteln durchgeführten Recherchen und jener der Polizei, die zunächst ein paar Meter Rückstand hat. Crowe hat ein Spitzelsystem im Polizeiapparat aufgebaut: einen Putzmann, eine Gerichtsmedizinerin, einen Genetiker, die er fürstlich entlohnt.

Seine Handlanger sind top ausgestattet, methodisch und verlässlich. Digitale Überwachung und Spurensuche sind das eine, aber Kestrels jagt seinen Infanteristen in den permanenten Häuserkampf, um Humanhindernisse zu beseitigen. Crowe erweist sich als geübter, furchtloser Nahkämpfer, er prügelt und schießt sich seinen Weg durch Kalifornien auf der Suche nach den Hintermännern des Mordes frei. Das wirkt überzogen und ermüdend, ist aber für einen Teil der Thrillerkundschaft wohl eine unverzichtbare Zutat. Der Spielraum für Subtilitäten schrumpft in dieser Mischung aus Action- und Wissenschaftsthriller.

Wer ist die Frau im Bett von Claire, die aussieht wie Claire, wirklich? Crowe nimmt ihr ihre monströse Geschichte ab. Sie führt ihn am Ende in gesellschaftliche Kreise, die es sich leisten können, über ein, wenn nicht ewiges, so doch erheblich verlängertes Leben nachzudenken. Dass sie auf diesem Weg buchstäblich über Leichen gehen, macht James Kestrel überdeutlich. HANNES HINTERMEIER

James Kestrel: "Bis in alle Endlichkeit". Thriller.

Aus dem Amerikanischen von Stefan Lux. Herausgegeben von

Thomas Wörtche.

Suhrkamp Verlag,

Berlin 2024.

432 S., geb.

© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt.

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LovelyBooks-BewertungVon SalanderLisbeth am 11.01.2025
Düsterer Pageturner, knapp, bildhaft mit viel Tempo erzählt, ein cooler Einzelgänger als Privatdetektiv, der das Zeug zur Serienfigur hätte. Um eine Millionenerbin zu ermorden, war ich zu sehr damit beschäftigt gewesen, einen Zeugen der Bundesanwaltschaft einzuschüchtern. Was die mögliche Gefängnisstrafe anging, würde ich wahrscheinlich besser dastehen, wenn ich zugab, sie im Vollrausch vom Dach gestürzt zu haben. Auszug Seite  188Leland Crowe, der Protagonist in James Kestrels aktuellem Thriller arbeitet als Privatdetektiv in San Francisco, seit er seine Anwaltslizenz verloren hat. In dem heruntergekommenen Viertel Tenderloin hat er sich in einem schäbigen Hotel einquartiert, um für den Strafverteidiger Jim Gardner in einem spektakulären Fall eines Drogenkartellchefs zu recherchieren. Als er in den frühen Morgenstunden seine Runde um den Block dreht, stolpert er über einen Rolls Royce, der definitiv nicht in diese Gegend gehört. Auf dem eingedrückten Dach entdeckt er die Leiche einer schönen, jungen Frau in einem Cocktail-Kleid, die offenbar aus großer Höhe herabgestürzt ist.Anstatt die Polizei zu verständigen, das wäre aufgrund seiner illegalen Tätigkeit suboptimal, macht er sich aus dem Staub. Aber nicht, ohne vorher einige Fotos zu schießen, die er meistbietend an Zeitungen verhökert. Geld ist immer knapp, deshalb nimmt er auch den nächsten Auftrag an, den ihm Gardner vermittelt. Die Klientin ist ausgerechnet Olivia Gravesend, einflussreiche Millionärin und Mutter des Opfers. Geld spielt keine Rolle, er soll nur herausfinden, was mit ihrer geliebten Tochter Claire passiert ist. Die Polizei hat den Fall bereits als Suizid zu den Akten gelegt. Das kann sich die verzweifelte Olivia nicht vorstellen, auch wenn sie seit einem halben Jahr nichts mehr von ihrer Tochter gehört hatte.Die Welt der Reichen und SchönenEine erste Spur führt Crowe nach Boston, wo Claire studierte. Hier findet er im Tresor ihres Hauses einen Schlüssel zu einem anderen Haus in San Francisco. Bevor er sich auf den Weg machen kann, wird er von einem maskierten Mann angegriffen, es kommt zu einem brutalen Kampf auf Leben und Tod. Unser Protagonist fragt sich, in was für Machenschaften Claire verwickelt war und was hat es mit den zahlreichen Narben an ihrer Wirbelsäule auf sich? Am neuen Ziel angekommen, findet der Ermittler eine junge und äußerst lebendige Frau vor, die genauso aussieht wie die verstorbene Claire Gravesend einschließlich der seltsamen Narben auf dem Rücken. Nachdem in Crowes Wohnung eingebrochen und sein Büro verwanzt wurde, hat er das Gefühl, in ein Wespennest gestochen zu haben und einer viel größeren Sache auf der Spur zu sein.Lee Crowe arbeitet als privater Ermittler, seit er seine Zulassung als Anwalt und auch seine Ehefrau verloren hat. Nur am Rande erfährt man, dass er handgreiflich gegenüber dem Obersten Richter wurde, mit dem seine Exfrau Juliette nun zusammen ist. Es spielt für die Geschichte auch keine große Rolle. Typisch für eine Detektivstory wird aus der Ich-Perspektive des Privatschnüfflers erzählt. Dieser hat kein Problem damit, sich auch mal die Hände schmutzig zu machen, geht der Polizei gerne, einer Schlägerei dagegen nie aus dem Weg. Crowe ist ein cleverer Typ, der sich meistens zu helfen weiß, wenn auch oft am Rande der Legalität. Kestrel zeigt uns hier die klassische Figur eines coolen Einzelgängers, immer einen lässigen Spruch auf den Lippen, mitunter zynisch, illusionslos aber auch total einsam."Er hat mir gesagt, dass Sie einen flexiblen Umgang mit Regeln pflegen", sagte Olivia. "Dass Sie einen verbissener Dreckskerl sind. Jetzt weiß ich, was er gemeint hat." "Von wem reden Sie?" "Von Jim Gardner." "Das hat Jim gesagt? So nett redet er sonst nie über mich." Auszug Seite 328Das düstere Cover mit der Golden Gate Bridge fällt sofort ins Auge und erinnert in seiner Gestaltung an den Vorgänger, ein wahres Krimi-Juwel des letzten Jahres. Dabei ist "Bis in alle Endlichkeit" im Original unter dem Titel "Blood Relations" bereits 2019 erschienen und gar nicht mit dem epischen und mehrfach ausgezeichneten Werk "Fünf Winter" zu vergleichen sowie auch einem ganz anderen Genre zugehörig. Wir haben es hier mit einem klassischen Hardboiled zu tun. Dabei hat der Autor die traditionelle Detektivfigur in die Gegenwart und damit in ein modernes Setting transferiert. Meine MeinungObwohl man früh ahnt, wohin die Reise geht, hatte mich James Kestrel durch seinen flüssigen und bildhaften Schreibstil von der ersten Seite an am Haken. Besonders gut gefallen hat mir der Witz in den rotzig-geschliffenen Dialogen. Als Leserin verfolgte ich atemlos die nachvollziehbaren Ermittlungsarbeiten, staunte über falsche Fährten und überraschende Twists, genoss die Verfolgungsjagden per  Auto und Hubschrauber, fieberte mit bei den Kampfszenen und Explosionen. Ein düsterer Pageturner, knapp und mit viel Tempo erzählt, der mich bestens unterhalten hat.Das Ende und auch das Nachwort deuten weitere Fälle um Leland Crowe an. Ich würde mich freuen, denn das Zeug zum Serienermittler hat er auf jeden Fall.
LovelyBooks-BewertungVon Mira20 am 06.01.2025
Schnörkelloser, actionreicher Thriller mit aktuellem Thema!