Tolle Geschichten aus dem All, mit viel Witz und interessanten Themen. Die zweite Hälfte teils deutlich schwächer, dennoch im Gesamten gut.
Zugegeben: Ich war skeptisch. GRRM hat mich bei seinem Fantasy-Epos zwischendurch gelangweilt, so dass ich aufgegeben habe und ich lese nicht so arg viel Science Fiction. Aber Planetenwanderer hat mich positiv überrascht.Im Grunde ist das hier eine Aneinanderreihung von Kurzgeschichten, die auch nicht in dieser Reihenfolge vom guten GRRM geschrieben wurden. Wir verfolgen dabei Tuf, einen Händler, der sich dann mit dem Fund eines alten Saatgutschiffes zum Ökoingenieur quasi selbst umschult und das Universum bereist. Aufgrund des Schiffes, das ein wahres Wunderwerk ist, ist er überall gefragt. Hier soll er eine Hungersnot lösen, dort Seeungeheuer zurücktreiben und hier wahre Wunder vollbringen.Die Geschichten sind alle gut zu lesen. Immer wieder wird gekonnt trockener Humor eingebaut und fast alle Nebencharaktere sind interessant. Manchmal sogar so interessant, dass ich es schade finde, sie bereits nach einer Geschichte wieder zu verlassen. Gerade das erste Kapitel gehört zu meinen Lieblingen an interessanten Figuren, die trotz der kurzen Zeit allesamt gut ausgearbeitet waren.Die zweite Hälfte des Buches hat mich allerdings ein wenig verloren. Denn Tuf macht hier eine Entwicklung durch, die sich nicht so wirklich erschließen lässt, bzw. zu extrem wirkt. Im Grunde entwickelt er einen heftigen Gottkomplex. Das will die Geschichte auch ganz bewusst, denn immer wieder taucht das Thema "Macht korrumpiert" auf. Gefallen muss es mir deshalb trotzdem nicht. Die letzten drei Geschichten fand ich rein vom Motiv her und auch von den Nebencharakteren schwach. Zuvor konnte man sich immer irgendwie auf Tufs Seite stellen, hat ihn verstanden und ihn beinahe angefeuert. Jetzt versteht man seinen Standpunkt vielleicht auch noch, aber seine Methoden sind mehr nach dem "Der Zweck heiligt die Mittel" Prinzip. Diese Geschichten sind auch die Ältesten der Sammlung, also vielleicht liegt es daran. Das hat mir einen Dämpfer versetzt.Dennoch bin ich vom Roman als Gesamtes durchaus angetan. Das Worldbuilding in manchen der Episoden ist sehr gut geschrieben, häufig reichen schon wenige Figuren und Interaktionen zwischen ihnen. Grundsätzlich glänzt die Action in diesem Buch ohnehin durch fast gänzliche Abwesenheit. Häufig geht es um philosophische Fragen und Weltansichten, die miteinander in Konflikt geraten. Sehr häufig finden auch Anspielungen an biblische Themen statt - wobei nicht immer ganz zu erkennen ist, was der Autor damit jetzt ausdrücken möchte. Manchmal sind es wirklich nur Aufhänger für die Geschichte, weil ähnliche Motive stattfinden oder die Kritik (wenn es denn eine sein soll) ist recht belanglos und oberflächlich.Am Ende gebe ich haarscharf noch die 4 Sterne.