Es benötigt durchaus eine Menge an Erfahrung, um auch die grenzwertigen Ereignisse in Psychotherapien handeln zu können.Auch wenn der "Alltag" eher in Gesprächen, teils deutlichen Emotionen von Klienten und manchmal auch hartnäckigen Widerständen des Unterbewussten besteht, gibt es doch, und gar nicht mal so selten, extreme Reaktionen von Klienten im Rahmen ihrer psychotherapeutischen Behandlung. Zum Glück, nicht nur für Psychotherapeuten, ist dieses vorliegende Werk natürlich eine Ballung von schwierigen Momenten und kaum zu verstehenden Verhaltensweisen, die so nicht di Regel natürlich sind. Und doch geben gerade die außerordentlichen Ereignisse, die Hans Hopf flüssig im Stil, aus seiner Praxis zu erzählen versteht, die ebenfalls Lesern und Leserinnen deutlich vor Augen führen, wie absonderlich, schwierig, zugleich aber fest überzeugt von etwas der menschliche Geist eben auch funktioniert. Beeindruckend vor allem, weil Hopf als Kinder- und Jugendpsychotherapeut in der Regel mit Klienten ja arbeitet, das eigentlich zu jung erscheint, um solche Verstörungen aufzuweisen, die Hopf im Buch mit vor Augen legt. "Es sind Geschichten, die anschaulich machen, an welchen Störungen Kinder erkranken können...Sie lassen aber deutlich werden, wie tragisch menschliche Schicksale mitunter sind". Wobei, im Übrigen, auch die Lebensgeschichte von Hopf selbst nicht frei von Bedrängung und Trauma gewesen ist. Vielleicht. Ist er gerade deswegen besonders in der Lage, sich tief in seine jungen Klienten einzufühlen. "Vielleicht ist ein kleiner Ansporn für andere seelische leidende Menschen, niemals zu resignieren". Wobei, wie im Beispiel des türkischen Mädchens Selda Nachzulesen ist, dass problematische Störungen der inneren Befindlichkeit nicht selten im "gesamten System" beheimatet sind. Wenn Hopf erzählt, wie seine Praxis quasi von der Familie des Mädchens "belagert" wurde. Als "deutsche Hure" bezeichnet, weil sie einfach nur ähnlich gekleidet sein wollte, wie ihre deutschen Freundinnen. Westliche Musik? Freies Treffen mit Freundinnen, mit der Lique? Ihre vier Brüder mit einbezogen in die "Kontrolle" des Alltags von Selda, kein Gedanke, an ein "kulturelles Mit-Leben" vor Ort. Nicht unbedingt letztendlich, doch sehr förderlich für Trauma und Störungen stellt sich dieses Umfeld dar. Selda, die während der Therapie wegläuft und deren Familie daraufhin die Praxis "belagert". Und endet mit "Verstoßung"- Was als prägnantes Beispiel dafür dient, wie fragil das innere Leben junger Menschen noch ist und wie sehr familiäres Verhalten "aus der Bahn werfen kann". Jeder der vorgestellten Fälle trägt in sich auf generelle Ausblicke auf innere Nötige und Schwierigkeiten und kann daher von Lesern und Leserinnen bestens auch auf eigenes Erleben und das eigene Umfeld mit übertragen werden.Um immer wieder zu prüfen, was Aufgabe des " bewussten Ich" ist: Getrennt halten und (zugleich) vereinigen, was Außenwelt ist und was innere Bilder des Unbewussten sind. Am Beispiel von Matthias und Maria wird hier überzeugend und verständlich später im Buch dargestellt wird, wie das ist, wenn das Bewusstsein von Fantasien des Unbewussten quasi "überflutet" werden und Außen- und Innen ihre Trennschärfe existenziell verlieren. Jeder der Fälle ist hoch interessant zu lesen. Und wird durch die ruhige, klare und sachliche Art von Hopf umfassend in ihren allgemeinen Bedeutungen auch vor Augen geführt. Eine sehr zu empfehlende Lektüre, gerade in Zeiten, in denen das Verhalten von Menschen bis hin zu den "Mächtigen" viele Fragezeichen in den Raum des Lebens stellen.