C.N.: Evtl. Suizidalität, se*uelle Gewalt, s*uelle Belästigung, körperliche Gewalt, Alkoholmissbrauch
INHALT:
Als Anto nachts unerwartet von der Eisenbahnbrücke in den Fluss springt und nicht wieder auftaucht, bekommt Jara es mit der Angst zu tun. Unzählige Szenarien spielen sich in ihrem Kopf ab, von der Freundin fehlt jede Spur! Was soll sie tun?
Nur der Baseballschläger treibt noch auf dem Wasser - ihr Tatwerkzeug, mit dem sie zuvor wild auf fremde Autofenster eingeschlagen haben ...
Mit 13 Jahren lernen sich Anto und Jara auf dem Fußballplatz kennen.
Trotz ihrer Unterschiedlichkeit werden sie schnell Freundinnen, so eng wie Schwestern.
Gemeinsam lehnen sie sich gegen die patriarchale Gesellschaft auf. Jara bewundert Anto für ihren Mut. Diese bringt ihrer eher unsicheren Freundin bei, wie man im Bioladen klaut und sich im Leben behauptet. Zusammen sind sie stark, lieben den Kick, teilen Lipgloss, Alkohol und Kleidung genauso, wie ihre Gewaltfantasien. Doch als ihre Freundschaft Risse bekommt und sie irgendwann nicht mehr wissen, wohin mit all ihrer Wut, gerät plötzlich alles außer Kontrolle ...
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MEINUNG:
Insgesamt steht vor allem die Freundschaft von Anto und Jara im Mittelpunkt der Geschichte, deren Entwicklung ich mit großem Interesse verfolgt habe.
Dadurch, dass die Figuren charakterlich unterschiedlich sind und aus ganz gegensätzlichen sozialen Milieus stammen, kam viel Leben in ihre freundschaftliche Beziehung.
Vor allem die selbstbewusste Anto experimentiert mit Grenzen und damit, wie weit sie gehen kann. Sie spielt regelmäßig mit dem Nervenkitzel, liebt die Aufmerksamkeit und weiß genau, was sie nicht will.
Von Mädchen bzw. jungen Frauen, die viel Wut in sich tragen und gewalttätig werden, liest man in Romanen seltener. Meistens sind es doch eher die Männer, denen diese Verhaltensweisen und Gefühle zugeschrieben werden.
Deshalb war ich gespannt, mehr über die weibliche Wut und Gewaltbereitschaft der beiden jungen Frauen zu erfahren. Was haben sie erlebt?
Außerdem macht bereits der Buchanfang neugierig darauf, was es mit Antos Sprung von der Brücke auf sich hat.
Tatsächlich liefert die Geschichte nicht auf alle Fragen eine Antwort und hält Interpretationsspielraum bereit.
Sie springt in der Chronologie wild hin und her, vermischt dabei Realität mit Jaras Fantasie (aus deren Perspektive erzählt wird) und einiges bleibt offen, sodass man sich oft nicht sicher sein kann, was denn nun genau geschehen ist.
Ich persönlich hätte mir an manchen Stellen gerne mehr Klarheit gewünscht, aber das ist schlichtweg Geschmacksache.
Mittlerweile komme ich ganz gut mit Büchern zurecht, die die wörtliche Rede nicht durch Zeichensetzung markieren.
Hier hatte ich zwischendurch etwas Schwierigkeiten, zwischen den Personen zu unterscheiden, und musste manche Szenen mehrmals lesen.
Insgesamt wirkt das Buch durch das häufige Hin- und Herspringen in der Chronologie und durch die fehlenden Satzzeichen bei wörtlicher Rede, etwas chaotisch. Das muss man mögen. Doch es passt sehr gut zum Getriebensein von Anto und Jara, die immer wieder unter Spannung stehen, bis alles außer Kontrolle gerät.
Zwischendurch war bei mir mal die Luft raus, aber nach einiger Zeit war ich wieder mittendrin. Insgesamt habe ich mich von der Geschichte mitreißen lassen.
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FAZIT:
Ein für mich überwiegend mitreißender Coming-of-Age-Roman über eine Freundinnenschaft, den ich mit wachsendem Interesse gelesen habe.
Wen die Thematik interessiert und wer mit einer wilden Chronologie, der Vermischung von Realität und Fantasie sowie dem Offenbleiben mancher Fragen zurechtkommt, könnte sich das Buch durchaus zu Gemüte führen.
Ich persönlich hätte mir etwas mehr Struktur und Klarheit gewünscht. Dennoch bleibt die Geschichte im Gedächtnis. 3,5/5 Sterne!