Mit "Die Echokammer" liefert der norwegische Autor Ingar Johnsrud einen hochaktuellen Polit-Thriller, der Themen wie Rechtsterrorismus, Datenmanipulation und skrupellose Wahlkampfstrategien in den Mittelpunkt stellt. Johnsrud, Jahrgang 1974, studierte Film- und Medienwissenschaften und arbeitete viele Jahre als Journalist, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. Sein Thriller-Debüt Der Hirte wurde international gefeiert und machte ihn zu einer der bekanntesten Stimmen im skandinavischen Krimi-Genre. Die Echokammer ist der Auftakt zu einer neuen Trilogie und wurde von Daniela Stilzebach ins Deutsche übersetzt.
Worum gehts genau?
In Norwegen stehen die Parlamentswahlen bevor, als die Anti-Terror-Einheit Hinweise auf einen möglichen Anschlag erhält. Eine rechtsnationale Extremistengruppe soll im Besitz des hochgiftigen Rizins sein doch ihre genauen Pläne sind unklar. Während die Ermittler:innen Liselott Benjamin und Martin Tong fieberhaft versuchen, den Angriff zu vereiteln, spitzt sich die politische Lage zu.
Parallel dazu steht die Spitzenkandidatin der Arbeiterpartei kurz vor dem Machtwechsel und geht für ihren Wahlsieg zunehmend fragwürdige Kompromisse ein. Ihr juristischer Berater Jens Meidell gerät immer tiefer in ein Netz aus politischen Intrigen, Korruption und moralischen Grauzonen. Je weiter der Wahlkampf eskaliert, desto klarer wird: Die Bedrohung kommt nicht nur von außen, sondern auch von innen. Welche Rolle spielt Jens in diesem gefährlichen Spiel und wie weit ist er bereit zu gehen, um seine dunklen Geheimnisse zu verbergen?
Meine Meinung
Ich habe "Die Echokammer" als Hörbuch gehört, gelesen von Tim Gössler, dessen markante Stimme die düstere, angespannte Atmosphäre perfekt transportiert. Mit über 12 Stunden Hörzeit ist es eine lange, aber lohnenswerte Geschichte, denn der Spannungsbogen bleibt konstant hoch. Bereits die ersten Kapitel haben mich gepackt und nicht mehr losgelassen.
Ingar Johnsrud versteht es meisterhaft, politische Realität mit packender Fiktion zu verknüpfen. Die Figuren sind keineswegs eindimensional: Sie haben Stärken, Schwächen, persönliche Motive und moralische Konflikte.
Ein großes Plus des Thrillers ist die präzise Struktur: Die Handlung ist wie ein Countdown aufgebaut, sodass sich das Geschehen immer weiter zuspitzt. Diese Erzählweise verstärkt das Gefühl von Dringlichkeit und macht die Story besonders fesselnd. Überraschende Wendungen und geschickt platzierte Enthüllungen sorgen dafür, dass man ständig neue Informationen bekommt und doch bleibt vieles bis zum Schluss ungewiss.
Neben der Spannung überzeugt das Buch vor allem durch seine gesellschaftliche Relevanz. Der Einfluss sozialer Medien auf Wahlen, gezielte Desinformation, der Aufstieg des Rechtsextremismus und die moralischen Abgründe der Politik all diese Themen sind brandaktuell und werden von Johnsrud erschreckend realistisch dargestellt. Man merkt, dass der Autor lange als Journalist tätig war, denn die Details wirken authentisch und gut recherchiert. Es ist keine überzeichnete Dystopie, sondern eine realistische, erschreckende Momentaufnahme der aktuellen politischen Lage.
Auch stilistisch hat mich das Buch überzeugt: Johnsrud schreibt präzise, schnörkellos und mit einer gewissen Härte, die perfekt zur düsteren Thematik passt. Trotz der komplexen Handlung bleibt der Thriller gut verständlich, weil Johnsrud den Überblick wahrt und seine Erzählstränge klug verknüpft. Die Übersetzung von Daniela Stilzebach liest (oder in meinem Fall hört) sich flüssig und trägt zur packenden Atmosphäre bei.
Fazit
Die Echokammer ist ein fesselnder, hochspannender Thriller, der tief in die Abgründe von Macht, Manipulation und Extremismus eintaucht. Die realistische Darstellung gesellschaftlicher Probleme, kombiniert mit einer packenden Handlung und vielschichtigen Figuren, macht das Buch zu einem echten Pageturner. Ingar Johnsrud beweist mit diesem Werk, dass er zu den besten Thriller-Autoren Skandinaviens gehört. Für mich eine klare 5-Sterne-Lektüre absolute Empfehlung & Jahreshighlight!