Oberbayern, Ende des 19. Jahrhunderts: Maria, eine junge, talentierte Hebamme, kehrt nach ihrer Ausbildung in München in ihr Heimatdorf zurück doch statt eines warmen Empfangs erwartet sie Ablehnung und Misstrauen. Als uneheliches Kind hatte sie es dort nie leicht, und nun soll sie auch noch die alteingesessene Hebamme Alma ablösen, die mit ihren überholten Methoden stur an der Vergangenheit festhält. Während Alma die Dorfgemeinschaft gegen Maria aufbringt, kämpft diese nicht nur für den medizinischen Fortschritt, sondern auch gegen das tödliche Kindbettfieber, das viele Frauen das Leben kostet. Und als wäre das nicht genug, muss sie sich ihren eigenen Gefühlen für Jugendfreund Max stellen einen verheirateten Mann, dessen Frau mit schweren Schwangerschaftskomplikationen zu kämpfen hat.
Linda Winterberg zeichnet ein intensives Bild des Hebammenwesens in einer Epoche, in der medizinisches Wissen oft noch gegen Aberglauben und veraltete Traditionen ankämpfen musste. Besonders eindrucksvoll ist, wie Maria trotz aller Widerstände an ihrer Überzeugung festhält und für die Gesundheit der Frauen kämpft selbst dann, wenn die Dorfgemeinschaft sie misstrauisch beäugt. Ihr Mut und ihre Entschlossenheit machen sie zu einer faszinierenden Protagonistin, die man gerne begleitet. Gleichzeitig zeigt der Roman eindrucksvoll, wie abhängig Frauen damals von den Entscheidungen anderer waren sei es von den Dorfältesten, den Männern oder den Hebammen, die oft mit unbegründeten Ängsten und fragwürdigen Methoden über Leben und Tod entschieden.
Winterbergs Schreibstil ist einfühlsam und atmosphärisch. Die raue Bergwelt Oberbayerns, die einfachen Lebensverhältnisse und der starke Gemeinschaftszusammenhalt werden lebendig eingefangen. Besonders berührend sind die Szenen rund um die Geburten von der Freude über neues Leben bis hin zu den dramatischen Momenten, in denen jede Entscheidung schwer wiegt. Allerdings fehlt es an manchen Stellen an Spannungsspitzen, die das Geschehen noch packender hätten machen können. Die Konflikte sind greifbar, doch manche Wendungen verlaufen recht vorhersehbar, sodass die Geschichte stellenweise etwas gemächlicher wirkt.
Fazit
Die Berghebamme Hoffnung der Frauen ist ein bewegender Auftakt einer historischen Trilogie, der die harte Realität des Hebammenberufs mit einer emotionalen, persönlichen Geschichte verbindet. Maria ist eine starke Protagonistin, die für ihre Ideale kämpft, und die Einblicke in die damalige Geburtshilfe sind authentisch und fesselnd. Auch wenn die Handlung gelegentlich etwas ruhig verläuft, überzeugt sie mit stimmungsvoller Atmosphäre und tiefgehenden Figuren. Ein empfehlenswerter Roman für alle, die historische Geschichten über mutige Frauen und gesellschaftliche Veränderungen lieben und gespannt auf Marias weiteren Weg sind.