Ein toter Junge, ein Wunderheiler und eine abgelegene Elbinsel
Juli 1949. Zwei Monate nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland geht in Hamburg alles seinen gewohnten Gang, zumindest bei Ida Rabe. Die Schutzpolizistin teilt sich das Büro an der Reeperbahn mit Heide Brasch und ihr Leben mal mehr, mal weniger mit dem Gerichtsmediziner Ares Konstantinos. Als am Strand von Övelgönne die Leiche eines Jungen angeschwemmt wird, ist Ida erschüttert: Handelt es sich bei ihm um dasselbe Kind, das Heide und sie ein paar Monate zuvor halb erfroren und stark abgemagert in einem Hauseingang gefunden haben? Ida schwört, es herauszufinden. Die Spur führt sie auf die Elbinsel Waltershof, zu einer kleinen verschworenen Gemeinschaft. In deren Mitte: selbsternannter Wunderheiler Wilhelm Maurer. Ida bleibt nichts anderes übrig, als sich unter seine Anhänger zu mischen. Doch jemand wird auf sie aufmerksam und es wird gefährlich für Ida.
Lea Stein ist das Pseudonym der Autorin und Journalistin Kerstin Sgonina, die bereits mehrere Romane veröffentlichte. Als sie mit 18 nach Hamburg zog, verliebte sie sich sofort in die Stadt. Nach dem Abitur schlug sie sich auf der Reeperbahn als Türsteherin und Barfrau durch. Heute lebt sie mit ihrem Mann, den beiden Kindern und ihrem Hund in Brandenburg. Die Romane um Polizistin Ida Rabe sind ihre erste Krimi-Reihe.
Ida Rabe lebt in Hamburg und arbeitet bei der Schutzpolizei. Sie teilt sich ein Büro mit Heide Brasch nahe der Reeperbahn. Doch so richtig werden die Frauen bei der Polizei im Jahre 1949 noch nicht akzeptiert. Ihr Büro liegt im Keller und ihre Aufgaben sind nicht so, wie Ida es sich wünschen würde. Doch dann wird am Strand von Övelgönne die Leiche eines Jungen gefunden. Erst vor kurzem hat Ida mit ihrer Kollegin einen Jungen halb erfroren gefunden. Handelt es sich um denselben Jungen? Ida macht sich auf die Suche nach der Wahrheit. Eine Spur führt sie zu einer kleinen Gemeinschaft auf der Elbinsel Waltershof. Der Wunderheiler Wilhelm Maurer führt hier eine Gruppe an und verspricht Heilung.Bei dem Krimi "Alter Zorn" handelt es sich um den dritten Teil einer Krimireihe aus der Feder von Lea Stein. Mir gefällt die Reihe gut. Die Autorin erzählt zum einen davon, wie schwer es gerade für die Frauen in dieser Nachkriegszeit war, überhaupt ernst genommen zu werden. Ida Rabe hat zwar eine gute Ausbildung bekommen, wird aber von den männlichen Kollegen nicht ernst genommen. Schon in der Vergangenheit hatte sie ihre Probleme damit, konnte ihre Fälle aber trotz Widerstände lösen. In dem jetzt vorliegenden Fall wird es noch einmal etwas schwerer für Ida.Die junge Frau beschließt, sich auf dem Hof des Wunderheilers umzusehen. Um dies umsetzen zu können, muss sie auf dem Hof leben und arbeiten. Schnell wird klar, wirkliche Unterstützung bekommt Ida von den Kollegen dabei nicht. Trotz aller Gefahren macht Ida sich auf den Weg.Es ist wirklich spannend zu lesen, wie sie versucht, die Wahrheit herauszufinden. Hilfe bekommt sie dabei nur von Heide, die aber auch ihre eigenen Sorgen hat. Die Suche nach dem verschwundenen Jungen und wie das mit dem Wunderheiler zusammenhängt, hat mir gut gefallen. Von verschwundenen Waisenkindern ist hier dann aber auch die Rede und von Misshandlungen eben an diesen Kindern, also ist die Handlung nicht immer einfach so zu lesen. Zum Teil geht die Autorin intensiv ins Detail und erzählt schockierende Zusammenhänge, schafft es aber durchaus, mit etwas helleren Szenen die Stimmung zu lockern.Gleichzeitig wird geschildert, wie das Leben in dieser Zeit gerade für Frauen war. Auch Ida macht da keine Ausnahme. Als Gegenpol hat die Autorin Ida einen Freund an die Seite gestellt, der ihr ihre Freiheiten lässt und sie unterstützt. Es ist der Gerichtsmediziner Ares Konstantinos, der auch für die Polizei tätig ist und so seinen ganz eigenen Lebensstil entwickelt hat. Diese Beziehung scheint zwar frei von allen Zwängen zu sein, am Ende werden dann aber eben doch alle Klischees bedient. Eigentlich passt eine Beziehung sogar nicht in Idas Lebensgeschichte, auf der anderen Seite gönnt man ihr eine Liebe und etwas Glück für die Zukunft. Ich mag auch diese Liebesgeschichte am Rande der Handlung.Überhaupt finde ich diese Krimireihe mit der jungen Ermittlerin Ida Rabe insgesamt unterhaltsam zu lesen. Der historische Hintergrund scheint gut recherchiert zu sein. In einem kleinen Nachwort erläutert Lea Stein noch Fiktion und Wahrheit. Ich bin gespannt, ob es noch weitere Fälle mit Ida Rabe geben wird.
Die weibliche Polizistin Ida Rabe eilt an den Strand von Övelgönne, nachdem eine kindliche Leiche ans Ufer gespült wurde. Zu ihrem Entsetzen erkennt Ida das Kind. Es war erst vor Kurzem in ein Kinderheim gebracht worden. Mit jeder Faser ihres Körpers ist sie entschlossen, die Wahrheit hinter diesem tragischen Schicksal aufzudecken. Ihre erste Spur führt sie zum Waltershof, der von einem Wunderheiler geleitet wird. Doch schon bald wird ihr klar, dass dort nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Um Antworten zu finden, schleicht sie sich dort ein, doch die Ermittlungen bringen Ida selbst in Gefahr.Der schockierende Fund des Kindes offenbart grauenhafte Misshandlungen, die auf eine düstere Vergangenheit hindeuten. In einer von Männern dominierten Welt sieht sich Ida als weibliche Polizei zahlreichen Vorurteilen gegenüber, was ihr den Kampf für Gerechtigkeit zusätzlich erschwert. Doch unbeirrt verfolgt sie die Spur des Täters. Die Geschichte, die in der Nachkriegszeit angesiedelt ist, vermittelt ein Gefühl tiefster Beklemmung und lässt mich nicht los. Besonders die Charaktere Ida und ihrer Kollegin Heide Brasch haben mich begeistert. Das Ende des Buches lässt mich gespannt auf eine mögliche Fortsetzung warten.Fazit: Der dritte Teil der Ida-Rabe-Reihe hat bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Die fesselnde Handlung und der spannende Aufbau der Geschichte haben mich von Anfang bis Ende mitgerissen. Obwohl es zur damaligen Zeit für Frauen eine Herausforderung war, als weibliche Polizei tätig zu sein, beweist Ida, dass sie all ihre Möglichkeiten nutzt, um den Fall zu lösen. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung und 5 Sterne