In Maja Lundes Roman "Für immer" wird ein faszinierendes Szenario thematisiert: die plötzliche Aussetzung der Zeit, bei der weder Menschen geboren noch sterben können. Allerdings bleibt die Natur nicht stehen und altert weiter. Diese Idee, die sowohl beunruhigend als auch inspirierend ist, wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Unter den Charakteren finden sich eine Kriegsfotografin mit einem Hirntumor, ein Ehepaar, das in eine altersgerechte Wohnung umzieht, ein Vater, der sich auf die Geburt seines Babys freut, und eine Angestellte eines Bestattungsunternehmens, die Extremsport betreibt.Durch die Einführung so vieler verschiedener Charaktere fiel mir der Einstieg in das Buch jedoch schwer, da zu Beginn die Orte und Protagonist*innen ständig wechselten. Besonders gut gefallen hat mir jedoch die Dynamik zwischen dem älteren Ehepaar Margo und Otto.Dennoch blieb die Erzählweise oft oberflächlich, und es mangelte an emotionaler Tiefe. Einige Handlungsstränge und Figuren wirken unterentwickelt, und der angedeutete Grund für den Stillstand der Zeit konnte mich nicht überzeugen. Zu viele Fragen blieben offen, und einige Gedanken wurden nicht weiter ausgeführt.Obwohl der Schreibstil flüssig und gut lesbar bleibt, verliert das Thema mit der Zeit an Reiz. Die anfängliche Euphorie der Charaktere weicht einer schleichenden Langeweile, die sich auch auf mich übertrug. Die Handlung ist zudem verwirrend, da die ständigen Perspektivwechsel und der sprunghafte Erzählstil zunächst unklar miteinander verbunden erscheinen, allerdings werden die Charaktere sinnvoll und logisch zusammengeführt. Das empfinde ich als große Stärke des Buches.Insgesamt bleibt "Für immer" ein Werk mit einer interessanten Grundidee, das jedoch in der Umsetzung Schwächen zeigt. Die Idee des Zeitstillstands hätte mehr Potenzial geboten, wurde aber nicht vollständig ausgeschöpft. Das Buch regt zwar zum Nachdenken an, bleibt aber hinter seinen Möglichkeiten zurück und endet enttäuschend.