Familiengeschichte, der es an direkter und historischer Tiefe mangelt
Die Porzellanmanufaktur der Familie Blankenburg feiert ihr 150jähriges Bestehen, als die Weltwirtschaftskrise, im "Schwarzen Freitag" 1929 gipfelt. Auch die Blankenburgs sind durch Fehler von Familienoberhaupt Adalmar und seinem Schwiegersohn Richard direkt betroffen, als das Vermögen durch den Börsencrash verloren ist. Beide begehen Selbstmord! Adalmars Töchter, Ophelie und Elise, stehen vor den Scherben, großen Sorgen, großer Verantwortung und großem Streit miteinander. Das noch ein unehelicher Sohn ihres verstorbenen Bruders Otto auftaucht und auch der totgeglaubte Bruder Wido noch am Leben ist, macht die Situation nicht leichter. Während sie versuchen, zu retten, was kaum noch zu retten ist, gewinnen die Nationalsozialisten immer mehr Einfluss - in der Politik, im Alltag und im Leben der Blankenburgs ...."Die Blankenburgs" ist der Auftakt zu einer neuen Familiensaga. Im Mittelpunkt stehen die Erben des Magnaten Adalmar Blankenburg, Besitzer einer Frankfurter Porzellanmanufaktur. Historisch zwar korrekt, aber leider doch recht oberflächlich. Einerseits stellt Berg heraus, welche Rolle die ersten "Braunhemden" spielen, die verzweifelte hungernde Arbeitslose auf ihre Seite ziehen, immer mehr Macht gewinnen und so auch immer größeren Einfluss. Andererseits dreht Berg seine Kreise nur um die familiären Streitereien der Blankenburgs untereinander und mit ihrem größten regionalen Wettbewerber, der Manufaktur Löwenstein. Allzu bald fusionieren die beiden Häuser aber miteinander und Elise kommt auch privat dem jüdischen Löwenstein näher. Gefühlt bleibt aber die sich kontinuierlich entwickelnde Bedrohung der Juden oft vollkommen im Hintergrund und undeutlich. Die Perspektiven der Erzählung wechseln häufig zwischen den einzelnen Familienmitgliedern, was ein vollumfängliches Bild der ganzen Familie zeichnet, allerdings auch etwas dazu führt, dass der Leser keinen wirklichen Draht zu den Protagonisten aufbaut. Jedem Kapitel, die allesamt recht lang sind, vorangestellt, ist immer ein kurzer Abriss der politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen. Nur leider sind dies geschichtliche Einblicke, die oftmals völlig unabhängig vom Buch wirken, anstatt, dass es dem Autor gelingt eine bewusste Verknüpfung des historischen Geschehens mit den Wirren seiner Familiendramen zu schaffen. Zumindest hilft es, die zeitliche Abfolge besser einzuschätzen, da der Autor sonst auf genaue Zeitangaben verzichtet und des öfteren kleinere oder größere Zeitsprünge vorhanden sind. Ob es unbedingt notwendig ist, auch noch die chinesischen Triaden miteinzubeziehen und das Thema "Opium" bleibt dahingestellt, entspricht aber dem weiträumigen Charakter des Buches.Mein Fazit: Obwohl das Buch vollgepackt ist mit Charakteren, deren Motiven, ihren Handlungen und Verflechtungen, bleibt das Geschehen spannungsarm und plätschert eher vor sich hin. Der historische Kontext bleibt viel zu farblos und eher nebensächlich, trotz der deutlichen Versuche des Autors, diesen präsent zu halten. Alles in Allem viele Seiten für wenig Aussage. Mich konnte der Autor leider nicht in den Bann schlagen.