Die
Leiche des aufstrebenden Fußballers Hendrik Borg scheint fast
friedlich, still liegt er in seinem Haus und scheint eine blaue Rose in
der Hand zu halten. Dass es sich um einen Mord handelt, ist Psychiaterin
Nathalie Svensson und ihrem Team zwar sofort klar, im Umfeld des
Fußballers finden sie jedoch keine heiße Spur, niemand scheint Motiv und
Gelegenheit zu haben. Doch dann nimmt der Fall eine unerwartete
Wendung: Es werden noch weitere Leichen mit einer blauen Rose gefunden -
Zusammenhänge scheint es bei der Mordserie allerdings nicht zu geben...Bereits
zum vierten Mal lässt Jonas Moström seine psychiatrische Ermittlerin
Nathalie Svensson in "Eisige Dornen" einen Mordfall aufklären,
Vorkenntnisse aus den vorigen Romanen des Autors sind für das
Verständnis jedoch nicht notwendig - einerseits weil die Fälle nicht
aufeinander aufbauen, sondern in sich abgeschlossen sind, andererseits
wegen eines übersichtlichen Verzeichnisses der verschiedenen Charaktere,
die erneut auftauchen, sodass sich der "unwissende" Leser vorab
einlesen kann. Die anderen Zusammenhänge erschließen sich dann auch den
jeweiligen Gegebenheiten, wobei das private Umfeld von Nathalie zwar
eine gewisse Würze mit einbringt, ihr neu zu ordnendes Leben als
alleinerziehende Mutter nach ihrer Scheidung steht aber keinesfalls im
Vordergrund. Dennoch: Schön, dass sich die Reihe hier etwas weiterbewegt
und nicht auf der Stelle tritt. Die Zusammenstellung der verschiedenen
Charaktere ist sehr gelungen, wieder bringt jedes Teammitglied seine
eigene Stimmung mit ein. Das kommt besonders gut zur Geltung, da die
Erzählperspektive häufig wechselt und der Leser so die einzelnen
Ermittlungsschritte aus erster Hand miterleben kann. Dennoch konnte ich
der Handlung immer gut folgen, die klare Struktur ermöglicht eine
schnelle Orientierung.Der Fall an sich scheint zu Beginn etwas
auf der Stelle zu treten, dennoch wird auch hier bereits eine spannende
Atmosphäre aufgebaut. Mir gefällt besonders gut, dass hier eben keine
grausigen Morde begangen werden, die vor Brutalität und Gewalt nur so
strotzen, und dennoch eine sehr dichte Spannung aufkommt - spätestens
mit dem Auftauchen der weiteren Todesfälle ist der Roman nämlich sehr
packend geraten. Die fieberhaften, akribischen Ermittlungen und die
unklaren Zusammenhänge sind gekonnt zusammengestellt, es gibt zahlreiche
falsche Fährten und überraschende Wendungen, doch erst ganz am Ende
ergibt sich dann ein sehr stimmiges Gesamtbild - und dann merkt man, wie
wohl konstruiert das Konstrukt ist, wie fein sich die verschiedenen
Stränge zusammenführen lassen. Gepaart mit dem flüssigen Schreibstil und
einigen packenden Cliffhangern hat mir das sehr gut gefallen."Eisige
Dornen" braucht zwar einen Moment, um richtig anzulaufen, ist dann aber
ein hochspannender und kurzweilig erzählter Krimi, der ohne
überbordende Gewalt oder aufgesetzte Actionmomente auskommt, aber nicht
an Spannung und Dramatik eingebüßt hat. Das eingebaute
gesellschaftskritische Thema ist dabei das Tüpfelchen auf dem i, sodass
mich der Roman von Jonas Moström vollkommen überzeugt hat.