Ich habe diese Trilogie verschlungen als wäre es ein einziges, kurzes Buch.
Die Wintertöchter Trilogie bietet alles, was man braucht, um vor dem Alltag entfliehen zu können. Es ist ein wenig kompliziert, über die Handlung zu schreiben, ohne zu viel zu verraten, denn ich finde, dieses miterleben, diese Unsicherheit, was kommt, macht hier einen großen Reiz aus.
Wir starten vor ca 90 Jahren und begleiten die Familie bis zur Gegenwart. Als Marie zu Dreikönig die kleine Anna auf die Welt bringt und ihren Mann losschickt, die Hebamme zu holen, verunglückt dieser tödlich. Anna trägt eine Gabe in sich, die in dieser Familie vererbt wird. Diese Gabe ist, wie so oft, Fluch und Segen zugleich. Das Leben der Familie auf dem Bergbauernhof ist kein leichtes. Der 2. Weltkrieg hinterlässt seine Spuren, das Leben in den bergen ist hart, man macht gute und weniger gute Bekanntschaften. Es wird geredet und es wird weggesehen, wenn man hinschauen sollte. Anna macht wirklich unsagbar viel mit und ich entwickelte Mitleid und auch große Bewunderung.
Dieses Buch strotz vor Liebe zum Detail und besonders zur Gegend, in der es spielt. Die österreichische Forstau. Meine Großeltern lebten in einer recht ähnlichen Gegend und ich konnte mich wirklich in die Geschichte einleben und erlebte die ganze Handlung quasi hautnah mit. Jede einzelne Person erweckte zum Leben und wurde mit viel Liebe zum Detail herausgearbeitet. Man freut sich, man leidet, man liebt und man hasst. In diesem Buch erlebt man alle Gefühlsregungen, als seien es die eigenen.
Es ist schwer, eine übersinnliche Gabe so darzustellen, dass es in die Geschichte passt und nicht abgehoben und verschwörungstheoretisch wirkt. Das ist der Autorin aber unglaublich gut gelungen. Die Gabe, die Anna, und nicht nur sie, in sich trägt, gibt uns allen den Mut, zu uns zu stehen. Zu unseren Besonderheiten zu stehen. Annas Dede und auch Anna sind sehr versiert in Kräuterheilkunde. Dies ist auch meine große Leidenschaft und so kenne ich manch erwähntes Rezept und viele erwähnte Kräuter und kann sagen, dass dies hervorragend recherchiert ist. Hier gefällt mir besonders, dass im Nachwort davor gewarnt wird, die Rezepte einfach auszuprobieren, denn so einfach funktioniert Kräuterheilkunde auch nicht.
Natürlich ist es ein Wagnis, gleich eine ganze Trilogie zu kaufen, doch hier lohnt es sich wirklich. In diesen drei Büchern steckt so viel Heimatliebe, obwohl die Autorin die Gegend nur vom Urlaub kennt, so viel Detailverliebtheit und ein unglaubliches Gespür für das Leben in den Bergen.
Ich kann es wirklich wärmstens empfehlen. Wer sich unsicher ist, kann ja erst den ersten Band lesen.