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Das große A

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Caffè in der Wüste: Giulia Caminito erzählt vom italienischen Leben in Eritrea, von einer starken, übergroßen Mutter und von einer jungen Frau, die sich ihre Freiheit erst nach und nach erkämpft. Ein historischer Roman von herber Schönheit.
Die Lombardei im Zweiten Weltkrieg: Die Menschen suchen Zuflucht vor ständigen Bombenangriffen, deutsche Besatzer jagen Partisanen, das Essen wird rationiert. Die 13-jährige Giada wohnt bei ihrer Tante, einer gläubigen Faschistin, Gewalt und Entbehrung prägen den Alltag. Also träumt sich Giada fort, träumt vom »Großen A«: Afrika, wo ihre Mutter Adele in den italienischen Kolonien angeblich ein abenteuerliches, unabhängiges Leben führt. Und wirklich: Nach Kriegsende holt die Mutter sie zu sich nach Eritrea. Doch die großen Erwartungen werden enttäuscht: Dauerhitze und die Arbeit in Adeles Bar am Rand der Wüste haben so gar nichts Märchenhaftes an sich. Und sogar der Kaffee schmeckt nach Salzwasser. Eritrea ist auf dem Weg in die Unabhängigkeit, die verbliebenen Kolonisten ringen um eine Zukunft unter den neuen Machtverhältnissen. Und die schillernde Mutter erstickt jeden Freiheitsdrang, bis Giada den charmanten, aber undurchsichtigen Giacomo kennenlernt. Atmosphärisch und mit störrischer Poesie erzählt Giulia Caminito von zwei widerspenstigen, willensstarken Frauen, die auf sehr unterschiedliche Weise zur Selbstbestimmtheit finden.

Produktdetails

Erscheinungsdatum
15. August 2024
Sprache
deutsch
Seitenanzahl
267
Reihe
Quartbuch
Autor/Autorin
Giulia Caminito
Übersetzung
Barbara Kleiner
Verlag/Hersteller
Originaltitel
Originalsprache
italienisch
Produktart
gebunden
Gewicht
456 g
Größe (L/B/H)
215/141/30 mm
ISBN
9783803133694

Portrait

Giulia Caminito

Giulia Caminito, 1988 in Rom geboren, ist in Anguillara Sabazia am Lago di Bracciano aufgewachsen. Sie hat politische Philosophie studiert und drei Romane verfasst, darunter der 2020 bei Wagenbach erschienene »Ein Tag wird kommen«. Ihr dritter Roman »Das Wasser des Sees ist niemals süß« stand 2021 auf der Shortlist des Premio Strega, gewann den alternativen Premio Strega Off und den renommierten Publikumspreis Premio Campiello. Der Roman wird in über zwanzig Sprachen übersetzt. Caminito arbeitet als Herausgeberin und Lektorin, sie lebt in Rom.

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LovelyBooks-BewertungVon Schmuck_Guggerin am 26.12.2024
Tolles Buch!
LovelyBooks-BewertungVon Ruth am 30.09.2024
Ein Roman, in den man sich erst einlesen muss, bevor er seinen Sog entfaltet. Bisher sind zwei Bücher der 1988 in Rom geborenen Autorin Guilia Caminito auf Deutsch  erschienen : " Ein Tag wird kommen" und der preisgekrönte Roman " Das Wasser des Sees ist niemals süß". Dass nun auch ihr Debut " Das große A" dem deutschen Leser zugänglich gemacht wird, ist sicherlich dem diesjährigen Gastlandauftritt bei der Frankfurter Buchmesse geschuldet. Aber nicht nur, denn der Roman verdient neue Leser. Wir sind in der Lombardei mitten im Zweiten Weltkrieg. Die 13jährige Giada, Protagonistin des Romans, lebt bei ihrer Tante, einer harten und lieblosen  Frau, eine glühende Anhängerin Mussolinis. Hierher kam sie, nachdem ihr Vater die Familie verlassen hat und die Mutter Adele, genannt Adi, nach Afrika ging , genauer gesagt in die ehemalige italienische Kolonie Eritrea. Die drei Kinder wurden bei verschiedenen Familien untergebracht. Obwohl die Mutter regelmäßig Kostgeld schickt, führt Giada ein jämmerliches Leben. Hunger, ständiges Sirenengeheul und die Bedrohung von feindlichen Bombern bestimmen den Alltag. Das Mädchen  träumt sich weg von all dem Elend. Dem " großen A" gilt ihre Sehnsucht, dorthin, wo ihre Mutter ein abenteuerliches Leben führt. Dann ist zwar der Krieg vorbei, " die Armut aber noch nicht." Giada, obwohl klug und begabt, hört früh mit der Schule auf und findet Arbeit in der Fabrik. Doch endlich ist es soweit. Ihre Mutter lässt sie zu sich kommen. Von Venedig aus reist die beinahe siebzehnjährige Giada mit dem Schiff nach Assab, den Kopf voller Hoffnungen und Träume. " Aber als sie das erste Mal ankam, waren alle Träume verflogen, wer weiß wohin, mit Sack und Pack emigriert." Die unerbittliche Hitze, die salzige Luft  und die Trockenheit, der Dreck überall  und die Verwahrlosung, das unverständliche Sprachengewirr - das alles entspricht so garnicht ihren Vorstellungen. Doch bald hat sich die junge Frau mit den Begebenheiten arrangiert. Sie arbeitet in der Bar ihrer Mutter, leidet aber unter deren strengem Regiment. Da lernt sie den Hallodri Giacomo kennen, einen Mann, der gerne große Reden schwingt. Völlig naiv und unwissend stolpert Giada in die Ehe mit einem ihr im Grunde Unbekannten. Während die junge Frau versucht Giacomo eine gute Ehefrau und Söhnchen Massi eine gute Mutter zu sein, führt  der Ehemann sein unstetes Leben weiter. Schwiegermutter und Schwägerin setzen ihr zusätzlich zu. Doch Giada beginnt langsam sich zu emanzipieren. Sie will ernst genommen werden, nicht weiterhin das dumme " Püppchen" sein. Das erreicht sie und es kommt sogar eine Zeit, in der sie ihrem Mann sagt, wo es langgeht. Sie bleibt bei ihm, aber nur um ihres Sohnes Willen. Aber dann ändert sich die Situation. " Die Fünfzigerjahre waren vorbei, und mit ihnen ging eine Ära zu Ende....und es begann die Symphonie der Revolution."Die Zeit der Italiener und Engländer im Lande ist vorbei. Und mit den vielen Italienern, die Afrika verlassen, geht erst Adi und später folgt ihr Tochter Giada mit Sohn. Italien empfängt die Rückkehrer keineswegs mit offenen Armen; das Land hat sich verändert. Als auch Giacomo nachkommt, werden sie im großen " R", in Rom, einen Neuanfang versuchen. Der Roman endet nicht mit einem Happy-End im üblichen Sinne, das wäre unrealistisch, aber nicht ohne Hoffnung.Die junge Autorin erzählt uns hier die Geschichte einer Emanzipation, angelehnt an die eigene Familiengeschichte. Die Hauptfigur durchläuft eine glaubhafte Entwicklung, weg von dem naiv-träumerischen Mädchen hin zu einer Frau, die sich zwar Konventionen unterwerfen muss, aber dies zu ihren Bedingungen. Dabei lässt sich diese private Emanzipationsgeschichte als Parabel über die Befreiung eines Landes,  lesen. Der Einstieg in den Roman fällt nicht leicht, der gewöhnungsbedürftige  Schreibstil lässt  dies nicht zu. Hat man sich aber erstmal eingelesen, entwickelt es einen Sog, dem man sich kaum entziehen kann. Die Autorin erzählt sprunghaft, wechselt Perspektiven und Zeiten. Souverän beherrscht sie ihren Stoff, mit Vorausdeutungen zoomt sie kurz in die Zukunft oder greift vorangegangene Motive wieder auf. Grandios sind ihre Beschreibungen von Land und Leuten. Hier werden alle Sinne des Lesers angesprochen, man riecht, schmeckt, hört und sieht die Schauplätze des Romans. Auch die historischen und politischen Hintergründe fließen in die Geschichte ein. Der Dünkel der ehemaligen Besatzungsmacht spricht aus der Schwiegermutter, wenn sie meint: " Afrika verdankt uns alles. Jedes Zeichen der Verbesserung haben wir ihnen gebracht, und jetzt sollen wir ihrer Ansicht nach mit Schuldgefühlen leben."Der Roman bedürfte einer Zweitlektüre, denn er greift viele Themen und Aspekte auf: die Rolle der Frau in jener Zeit,  Faschismus und Kolonialismus,  Auswanderung und Rückkehr. " Das große A"  wäre auf jeden Fall ein Buch für Lesekreise, denn es ist fordernd und bietet viel Diskussionsstoff.  Ein beachtliches Debut!