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Eine Frau

Nobelpreis für Literatur 2022

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Nobelpreis für Literatur 2022

Dreizehn Tage nach dem Tod ihrer Mutter im Jahr 1986 schreibt Annie Ernaux ein kurzes, schmerzhaftes Requiem. Und lässt die Mutter als Repräsentantin einer Zeit und eines Milieus auferstehen, das auch das ihre war.
Das Leben ihrer Mutter: geboren um die Jahrhundertwende in der Normandie, Arbeiterin, dann Ladenbesitzerin, Ehefrau, zweifache Mutter, lebenslustig und offen, Körper und Geist werden später langsam durch Alzheimer zerstört. Das Ende war für die Tochter vorauszusehen, die Wirklichkeit des Todes scheint indessen kaum erträglich.
Zeit ihres Lebens kämpfte die Mutter darum, ihren sozialen Status zu erhalten, ihn vielleicht sogar zu überwinden. Erst der Tochter wird dies gelingen, eine Distanz zwischen den beiden entsteht. Auch darauf blickt Annie Ernaux zurück, voller Zärtlichkeit und Abscheu und Schuldgefühl.

Produktdetails

Erscheinungsdatum
27. Oktober 2019
Sprache
deutsch
Seitenanzahl
88
Reihe
Bibliothek Suhrkamp
Autor/Autorin
Annie Ernaux
Übersetzung
Sonja Finck
Verlag/Hersteller
Originaltitel
Originalsprache
französisch
Produktart
gebunden
Gewicht
244 g
Größe (L/B/H)
222/141/17 mm
ISBN
9783518225127

Portrait

Annie Ernaux

Annie Ernaux, geboren 1940, bezeichnet sich als »Ethnologin ihrer selbst«. Sie ist eine der bedeutendsten französischsprachigen Schriftstellerinnen unserer Zeit, ihre zwanzig Romane sind von Kritik und Publikum gleichermaßen gefeiert worden. Annie Ernaux hat für ihr Werk zahlreiche Auszeichnungen erhalten, zuletzt den Nobelpreis für Literatur.

Sonja Finck übersetzt aus dem Französischen und Englischen, darunter Bücher von Jocelyne Saucier, Kamel Daoud, Chinelo Okparanta und Wajdi Mouawad. Für ihre Ernaux-Übersetzungen wurde sie mit dem Eugen-Helmlé-Übersetzerpreis ausgezeichnet.

Pressestimmen

»Keine kann die biografische Analyse so sensibel wie Annie Ernaux. « Antonia Groß, Berliner Zeitung

»Es ist schwer zu sagen, weshalb Annie Ernaux' kahle Sprache so unter die Haut geht. Eine Frau , ihre autobiografische Annäherung an die Mutter, entwickelt in ihrer trockenen Faktizität einen eigentümlichen Sog. Jedes Wort in diesem Bericht über das Leben der 1987 verstorbenen Madame Ernaux hat eine unabweisbare Wucht. « Andrea Köhler, Neue Zürcher Zeitung

»Ernaux holt aus ihrem Gedächtnis in minutiöser Kleinarbeit charakteristische Details hervor, sie seziert die Vergangenheit. « Helmut Böttiger, Süddeutsche Zeitung

»Man glaubt also nach der Lektüre dieses klugen, genauen Buches ein Gefühl dafür zu haben, wen und welches Milieu Ernaux beschreibt, und ist abgesehen davon als privilegierte Leserin viel damit befasst, sich der Selbstverständlichkeiten bewusst zu werden, mit denen man so den ganzen Tag umherläuft. « Antonia Baum, DIE ZEIT

»[Ernaux's Werk] ist kein weit ausgreifendes Panorama, wie in den großen Romanen der Literaturgeschichte, sondern ein sehr detailliertes Bild, in dem alles sichtbar miteinander in Verbindung steht. Diese Verbindungen hängen sich im Prozess der Lektüre an weitere Anknüpfungspunkte, denn auch der Leser ist Teil eines sozialen Gefüges. Das Ich, das Sie, Er und Wir der Annie Ernaux finden ihre Entsprechungen. Ihre Wirkung erreichen diese Bücher auch durch ihr Echo im Leser selbst. « Cornelia Geißler, Frankfurter Rundschau

»Annie Ernaux gelingt es in Eine Frau , ihre Mutter gleichermaßen kompromisslos und zärtlich zu beschreiben, entlarvend und mitfühlend. Das lässt die ganze Ambivalenz dieser Mutter-Tochter-Beziehung greifbar werden, die sich im Laufe ihrer beiden Leben immer wieder neu sortiert hat. « Sandra Kegel, Frankfurter Allgemeine Zeitung

»[Es] zeichnet [ Eine Frau ] wie den Vorgänger über den Vater eine große Intensität aus, sind die Kürze und die Kargheit der Sätze sehr eindringlich. Annie Ernaux kommt der Mutter sehr nah, ihrer Herkunft sowieso, aber auch ihrem Charakter, den Stärken und Schwächen. Aber mehr und mehr widmet sich die französische Schriftstellerin dem Verhältnis der beiden Frauen zueinander . . . [ Eine Frau ] ist . . . nicht zuletzt ein feministisches Denkmal. « Gerrit Bartels, Der Tagesspiegel

»Auch dieses Buch ist ganz schmal, und doch liegt es dicht und schwer auf der Seele und auf dem Herzen. . . . eine großartige Miniatur, ein Porträt ohne Schminke, Wehleidigkeit und Vorwürfe, ein kostbarer Versuch darüber, wie es ist. « Eberhard Rathgeb, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

»Auch das neue Buch ist fast nüchtern im Ton, schnörkellos und dabei frappierend intensiv. Kein Wort zu viel, keine überflüssigen Details, das literarische Extrakt einer Mutter-Tochter-Beziehung. « Franziska Wolffheim, DER SPIEGEL

»Es ist diese unbedingte Ehrlichkeit, dieser Wille, sich der Schuld zu stellen, die den Büchern von Annie Ernaux ihre ungewöhnliche Stärke verleihen. « The New York Times

». . . ein Mosaik feiner Beobachtungen, in denen die ganze Welt aufscheint. « Brigitte Woman

»Kein Wort ist in dieser Prosa zu viel, jeden überflüssigen Satzfetzen löst Ernaux ab, bis der Text wie ein blank poliertes Meisterstück vor uns liegt. Annie Ernaux erzählt von sich, nicht aber um sich zu exponieren, sondern, ob gewollt oder nicht, um gesellschaftliche und menschliche Diagnosen anzustellen. Wie immer, wenn sie von sich selbst erzählt, denkt sie die anderen mit, erzählt en passant auch ihre Geschichten. « Shirin Sojitrawalla, Deutschlandfunk Kultur

»Der Stil des Buches ist knapp, schnörkellos und dennoch voller Zärtlichkeit« Susanne von Schenck, MDR Kultur

»Man möchte dieses Buch von Annie Ernaux zur Pflichtlektüre erklären. . . . Aufrichtig, forschend, liebevoll, aber unsentimental, das Leben in Zeit und Milieu einbettend, ohne die Widersprüche, die Entfremdung und den Missmut zwischen den Generationen zu negieren. « Hansrudi Kugler, Tagblatt

» Eine Frau ist eine eindrucksvolle psychologische und soziologische Studie. « Annemarie Stoltenberg, NDR

»Eine Wahrheit über das Leben der Mutter gibt es nicht. Nur Annäherungen und schmerzhafte Erkenntnisse. Aber indem Annie Ernaux dieser individuellen Existenz Raum lässt, ihren Kampf sichtbar macht mit den Verhältnissen, denen die Mutter entkommen wollte, aber nicht entkommen konnte, verleiht sie diesem Leben rückblickend nichts weniger als Würde. « Angela Gutzeit, WDR

»Obwohl nur 89 Seiten lang, ist die Vielschichtigkeit des Textes bemerkenswert. « Florian Keisinger, Fixpoetry

»Nie sentimental und immer zurückhaltend: eine zutiefst berührende Erzählung über Mütter und Töchter, Jugend und Alter, Träume und Realität. « Kirkus Reviews

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 17.11.2019

Ein kostbares und doch zerriebenes Menschenleben

Nach Annie Ernaux' Buch über ihren Vater erscheint jetzt auch das über ihre Mutter: "Eine Frau"

Das Buch "Eine Frau" von Annie Ernaux handelt von ihrer Mutter, es erschien in Frankreich 1988, fünf Jahre nach dem Buch über ihren Vater, "La Place", das in diesem Frühjahr von Sonja Finck neu ins Deutsche übersetzt wurde. "Der Platz" war großartig, und "Eine Frau" ist es auch. Weder der Vater noch die Mutter bringen einen Leser zum Lachen, und sie bringen ihn auch nicht zum Weinen. Doch gehen die Bücher zu Herzen, wo sie eine schwarze und stille Freude verbreiten darüber, dass es sie gibt und der Vater und die Mutter immer da sein werden, in der Literatur, der großen, die zu Lebzeiten für sie, Menschen ohne konventionelle Bildung, verschlossen war. Jetzt sind sie dort, bewundernswert hineingeschmuggelt durch ihre Tochter.

Die beiden Bücher sind auf einschnürend fatalistische Art traurig, wie verödete Vorstädte, heruntergekommene Plattenbauten oder verlassene Bahnhöfe in der Provinz, traurig wie ein in den Jahren zerriebenes Menschenleben, von dem sich nichts Besonderes erzählen lässt, keine erhebende, strahlende, keine bedeutsame, keine verrückte Geschichte. Ein einfaches und unscheinbares Leben geht eben still und bescheiden dahin, als würde es nicht darauf ankommen, dass es zum Guten gelingt, dass es bewahrt, beschützt und zum Glück erhoben wird. Ohne Aufsehen verschwindet es, ohne große Ansprüche, erst langsam, dann immer schneller erlöschen die Wünsche und werden die Hoffnungen vertrieben.

Das bedrückende, zusammengekarrte Leben kommt aus kleinen, dunklen Verhältnissen, Knechte, Mägde, Arbeiter, und bleibt in zu kleinen, zu dunklen Verhältnissen stecken, auch wenn sich schmerzvoll, in jungen Jahren wilder und später wie gelähmt, das Verlangen regt, weiterzukommen, rauszufinden aus dem Stumpfsinn der billigen Arbeit, aus dem Zusammensein mit den anderen Armen und mit all denen, die nicht viel vom Leben haben und nie viel zum Leben haben werden.

Zu den Leuten, die schuften, schimpfen und Ohrfeigen verteilen, ständig ans Geld denken und den Absprung ins solide Glück nicht schaffen, die in engen Wohnungen, auch mal ohne Strom, leben und sich, trotz der Arbeit, nichts leisten können; die in billigen Zeitschriften blättern, um zu sehen, was es dort draußen gibt, verschlossen in der Welt, und die irgendwelche Schlager vor sich hin singen, um sich aufzumuntern - gehört die Mutter, blond, kräftig, gerne bunte Kleider tragend. Sie schafft es, nicht zu verzagen, sie krempelt die Ärmel hoch und bemüht sich, dass ihre Tochter es einmal besser haben wird.

Eines Tages ist aus dieser Frau eine Kleinbürgerin geworden, ein klein wenig mehr als eine einfache Arbeiterin, sie führt in einer Vorstadt einen winzigen Lebensmittelladen mit einer Kneipe und bedient eine Kundschaft, die auch anschreiben lässt.

Die französische Gesellschaft ist eine Klassengesellschaft, eine Tyrannei der rigiden feinen Unterschiede, die jene Bürger begünstigt, die zu den Begünstigten gehören, die sich durch eine gute, korrekte Sprache und eine gute, korrekte Bildung auszeichnen, und jene Bürger unten hält, die zu denen gehören, die nicht begünstigt sind, die mit Dialekt sprechen und in ärmlichen, bescheidenen Verhältnissen leben und sich nicht zu benehmen wissen wie die Wohlhabenden und sich dafür vor den anderen, den Besseren, Gebildeten schämen.

Von Generation zu Generation wird diese soziale Scham weitergegeben, und sie schleift sich nur ein wenig ab, wenn es einem Sohn, einer Tochter gelingt, aufzusteigen, die Schicht zu wechseln, in einem Wohnzimmer zu sitzen und mit erlernter Selbstverständlichkeit Bach zu hören. Darüber hat keine Tochter so bewegend, streng, nüchtern und unerbittlich geschrieben wie Annie Ernaux, und deswegen ist sie eine bedeutende Schriftstellerin geworden. Sie braucht keine großen Geschichten, sie muss nichts erfinden, sie will nicht unterhalten, sie möchte nur sagen, was und wie das Leben gewesen ist, für ihren Vater, damals, in "Der Platz", und für ihre Mutter, jetzt, in "Eine Frau".

Auch dieses Buch ist ganz schmal, und doch liegt es dicht und schwer auf der Seele und auf dem Herzen. Es beginnt mit der Nachricht vom Tod der Mutter, und es endet damit, und auf den Seiten, die dazwischen liegen, versucht die Tochter, sich an die Mutter zu erinnern, woher sie kam, was sie wurde, wie sie sich kleidete, wie sie war, wie sie aussah, was sie sagte, was sie hoffte, und das alles in schlichten Sätzen, tastend, vorsichtig, zurückhaltend, ohne Psychologie, ohne Psychoanalyse, ohne in einer Seele, einem Innern zu stöbern, nur durch Hinschauen und Zuhören. Dadurch entsteht eine großartige Miniatur, ein Porträt ohne Schminke, Wehleidigkeit und Vorwürfe, ein kostbarer Versuch darüber, wie es ist.

Am Ende bleibt im Leser eine leichte stumme Traurigkeit, eine abblätternde Empörung und eine unsinnige Verwirrung, unklares Mitleid auch und verzärtelte Melancholie und ein Hauch von Verzweiflung, von existentialistischem Gleichmut. Ein lang anhaltendes, gutes Gefühl, das sich nur einstellt vor überraschender einfacher Ehrlichkeit.

EBERHARD RATHGEB

Annie Ernaux: "Eine Frau". Aus dem Französischen von Sonja Finck. Suhrkamp, 88 Seiten, 18 Euro. Annie Ernaux wird am 26. November in Berlin mit dem Prix de l'Académie de Berlin ausgezeichnet.

© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt.

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